Was ist die Perineurale InjektionsTherapie (PIT)?
Die Perineurale Injection Therapy (PIT) oder Dextrose-Prolotherapie (umgangssprachlich auch als „Zuckerspritzen-Therapie“ bezeichnet) ist eine moderne, minimalinvasive Behandlungsmethode zur Linderung chronischer Schmerzen. Dabei werden kleine Mengen einer natürlichen Zuckerlösung gezielt in das Bindegewebe entlang schmerzverursachender Nerven injiziert. Diese Methode nutzt die körpereigene Heilungsreaktion: Dextrose ist ein natürlicher Zucker, der vom menschlichen Körpers problemlos verarbeitet wird. Die Therapie wurde in den 2000er-Jahren vom neuseeländischen Arzt Dr. Lyftogt entwickelt und ist inzwischen weltweit in der Schmerztherapie etabliert. Mehrere gute randomisierte, kontrollierte Studien (RCTs) belegen ihre Wirksamkeit.
Wie wirkt die Therapie?
Chronische Schmerzen entstehen häufig durch eine dauerhafte Reizreaktion kleiner Nerven im Bindegewebe und in Faszien (Bindegewebsschichten). Diese Nerven senden kontinuierlich Schmerzsignale an das Gehirn – auch ohne akute Verletzung.
Die Dextrose-Lösung wirkt auf mehreren Ebenen:
- Schmerzrezeptoren werden abgeschaltet, wodurch weniger Schmerzbotenstoffe (Substanz P, CGRP) ausgeschüttet werden.
- Eingeklemmte oder gereizte Nerven werden mit Energie (Glukose) versorgt und können wieder normal funktionieren.
- Die injizierte Flüssigkeit löst mechanisch Verklebungen zwischen Nerven und Faszien.
- Dextrose regt Fibroblasten (Bindegewebszellen) zur Regeneration an.
Das Ergebnis: Die Schmerzweiterleitung wird unterbrochen, die Entzündung klingt ab und das Gewebe kann sich regenerieren.
Krankheitsbilder?
Die Zuckerspritzen-Therapie kann bei einem breiten Spektrum chronischer Schmerzzustände eingesetzt werden:
Gelenk- und Muskelschmerzen
| Körperregion | Typische Beschwerden |
| Knie / Unterschenkel | Kniearthrose, Schmerzen in der Wade, Tibiakantenschmerz |
| Unterer Rücken / Ischias | Ischiasschmerz, LWS-Syndrom, Beckenbodenschmerz |
| Schulter / Nacken | Schultersteife, Nackenspannung, Schmerzen Richtung Arm |
| Ellenbogen / Unterarm | Tennisarm, Golferellenbogen, Unterarmschmerzen |
| Handgelenk / Hand | Karpaltunnelsyndrom, Sehnenscheidenentzündung |
| Halswirbelsäule | HWS-Schmerzen, Kopfschmerzen, Schulterblattschmerzen |
| Fußgelenk / Fuß | Achillessehnenschmerz, Fersensporn, Fuß Beschwerden |
Nervenschmerzen (Neuropathien)
- Postherpetische Neuralgie (Nervenschmerz nach Gürtelrose)
- Trigeminusneuralgie
- Periphere Neuropathie bei Diabetes
- Komplexes Regionales Schmerzsyndrom (CRPS)
- Chronische Nerveneinklemmungen
Wie läuft die Behandlung ab?
Vor der Behandlung
- Erstgespräch: Anamnese, Schmerzlokalisationen
- Abtasten (Palpation) der schmerzhaften Punkte entlang des Nervenverlaufs
- Keine besondere Vorbereitung erforderlich, keine Nüchternheit notwendig
Die Injektion
Die Lösung wird mit einer sehr feinen Nadel in das Unterhautfettgewebe entlang der schmerzhaften Nervenpunkte injiziert. Es entstehen kleine Quaddeln (wie bei einem Allergietest) direkt unter der Haut. Ein leichtes Brennen oder Druckgefühl kann dabei für wenige Sekunden pro Injektionspunkt entstehen. Viele Patienten berichten von einer merklichen Schmerzreduktion bereits während oder kurz nach der Sitzung.
Pro Sitzung
- 10 – 20 Injektionspunkte entlang des Nervenverlaufs
- Direkt danach können normale Alltagsaktivitäten wieder aufgenommen werden
Gesamtbehandlungsdauer: In der Regel 6 – 8 Wochen. Bei komplexen oder langjährigen Beschwerden kann eine Verlängerung oder regelmäßige Auffrischungen sinnvoll sein.
Nebenwirkungen und Risiken
Häufige, normale Reaktionen
- Leichter Druckschmerz an den Einstichstellen, kleine Blutergüsse oder Rötungen
- Vorübergehende Schmerzzunahme direkt nach der Injektion (1 – 2 Tage)
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl im behandelten Bereich (vorübergehend)
Seltene Reaktionen
- Kurzes Schwindel- oder Unwohlsein (Nadelphobie – bitte vorher mitteilen)
- Größere Schwellung durch getroffenes Blutgefäß, keine Allergien
Wann ist die Therapie nicht geeignet?
- Aktive Infektion oder Entzündung im Behandlungsbereich
- Schwere Gerinnungsstörungen, Rücksprache bei blutverdünnenden Medikamente
- Instabiler Typ-1-Diabetes (Rücksprache)
- Bekannte Nadelphobie (bitte vorher mitteilen – besondere Maßnahmen möglich)
- Schwangerschaft (keine ausreichende Datenlage)
Häufig gestellte Fragen
Muss ich Blutverdünner absetzen?
Sprechen Sie dies bitte vorab mit uns ab. In vielen Fällen ist die Behandlung auch unter der Einnahme von Blutverdünnern möglich, da nur feine Nadeln verwendet werden.
Wann spüre ich eine Verbesserung?
Viele Patienten berichten von Schmerzlinderung noch während der Sitzung oder innerhalb von 15 Minuten danach. Für eine dauerhafte Wirkung sind 6 – 8 Sitzungen empfohlen.
Kann ich Sport treiben nach der Behandlung?
Leichte Aktivitäten sind direkt nach der Behandlung erlaubt und erwünscht. Intensiver Sport oder schweres Heben sollten am Behandlungstag vermieden werden.
Was kostet die Behandlung?
Die Zuckerspritzen-Therapie ist eine Privatleistung (IGeL) und wird von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht erstattet. Unser Praxisteam informiert Sie gerne über die aktuellen Preise.
Wird der Blutzucker beeinflusst?
Nein. Die injizierte Menge Dextrose ist so gering (einige Milliliter einer 5%-gien Lösung pro Sitzung), dass der Blutzucker nicht messbar beeinflusst wird.
Bei Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.